Schule ist mehr als Unterricht! Konzeption und Durchführung einer Film-AG

Schule als reiner Ort des Lernens – der Horror!

Ein Glück sind an den meisten Schulen die Zeiten vorbei, zu denen Schüler in den Unterricht kamen, ihre Zeit absitzen und wieder nach Hause fahren. Unseren umfassenden Bildungsauftrag (in welchem Bundesland auch immer) können wir nur erreichen, wenn aus Schule ein Ort des Lebens und Lernens wird – ein Ort, den Schüler freiwillig und gern besuchen. Hier können sie ohne viel Zutun des Lehrers ausgehend von eigenen Interessen ihre persönlichen Grenzen erweitern!

Als medial interessierter Lehrer schwebte mir schon länger die Idee vor, „irgendwas mit Film“ zu machen. Im Sommer 2015 endlich habe ich mir ans Herz gefasst und gestartet

Aber – was denn genau? Und wie? Und wann?

Hier eine kleine Chronik der bisherigen Aktivitäten.

 


Update Juli 2016:
Nach einer interessanten Fortbildung zum Thema habe ich ein weiteres Feld entdeckt, dass es gemeinsam mit den Schülern zu bearbeiten gibt: Die PR! Oder anders ausgedrückt: Was bringt eine Film-AG, wenn keiner etwas davon mitbekommt? Aus diesem Grunde haben wir zusätzlich zum Youtube-Kanal eine Facebook-Seite und eine eigene Internetseite eröffnet. Die Schüler kümmern sich eigenverantwortlich darum, dass alles aktuell bleibt.
Läuft… 😉


1. EIN KONZEPT MUSS HER!

Die Sommerferien nutzte ich, um mir ein inhaltliches Konzept zu überlegen.

Kurzgefasst starten wir mir einer theoretischen Betrachtung grundlegender filmischer Begriffe und Techniken. Arbeitsblätter und Demovideos gibts im Netz wie Sand am Meer.

Die meisten Sitzungen habe ich mit einer theoretischen Erarbeitung begonnen – meist haben wir kurze Filme geschaut, diese besprochen und dann die Theorie angelesen – und dies dann in Kleingruppen nachzufilmen versucht.

Zunächst haben wir nur fotografiert, damit die Schüler ein Gefühl für Bildgestaltung erhalten –> Perspektive / Einstellung / Aufteilung / Linienführung.

Dies haben wir dann relativ rasch auf bewegte Bilder übertragen – mithilfe von Handykameras, die für Technikübungen ja voll ausreichen. Hierfür habe ich Übungen ausgegeben, die starre Vorgaben enthalten – je starrer die Vorgaben, desto stärker können sich die Schüler auf das Eigentliche konzentrieren. In diesem Fall sollten sie fiktive Filmtitel, den sie gezogen haben, filmisch darstellen – die anderen mussten anschließend raten.

Je enger die Vorgaben, desto besser können sich die Schüler auf das Wesentliche konzentrieren.

Anschließend war der Schnitt dran. Ein technikaffiner Schüler hat sich in verschiedene Programme hineingearbeitet und uns die Bedienung vorgestellt. Der MovieMaker von Microsoft ist gratis und vollkommen für Kurzfilme ausreichend. Leider stürzt er oft ab.

Die meisten anderen Programme gibt es als Testversion – man kann also problemlos ausprobieren. Wir haben uns für Premiere Pro entschieden, das sehr performant,  für uns als Anfänger jedoch etwas zu komplex ist. Problem: Die Finanzierung. Bisher springe ich ein und finanziere ein Abo …

Daraufhin waren wir in einer Phase, in der wir einen ersten gemeinsamen Film geplant und gedreht haben.  Das war DEUTLICH MEHR ARBEIT als gedacht, vor allem, weil die Schüler nicht so diszipliniert und pünktlich waren, wie nötig. So sind an mehreren Drehtagen einige Schauspieler nicht erschienen – was alle filmischen Planungen des Tages obsolet machte. Leider habe ich noch keinen Weg gefunden, meiner Schüler hier zu mehr „Druck“ zu verhelfen.

 

Nach einigen Kurzfilmen, die die Schüler technisch weiterbringen sollten, haben wir nun das nächste Projekt avisiert: Einen deutlich umfangreicheren Film zum Thema Gender-Identity.

 

2. WIE ORGANISERE ICH DAS?

Zu Beginn der AG war die erste Schwierigkeit bereits, eine „starke Truppe“ zusammenszustellen, die bereit war, auch außerhalb des Unterrichts mitzuarbeiten.

Zu meiner Überraschung haben sich auf einen Aushang (die sonst niemand beachtet!!)  über 40 Schüler gemeldet. Von diesen habe ich die 10 motiviertesten ausgewählt – und dabei auch auf eine gute Alters- und Geschlechtermischung geachtet – das Thema scheint ja eher eine männliche Domäne zu sein….

Mit Doodle haben wir uns auf einen regelmäßigen Termin geeinigt (Freitag 7. / 8. Stunde). Unsere Schulleitung hat uns nach etwas verhandeln auch einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem wir alle Materialien deponieren können.

 

3. Herausforderungen – offene Punkte

Im Laufe der Zeit haben sich einige Problemfehler herausgearbeitet, auf die ich noch keine abschließende Antwort habe .

  1. Geld

Wie soll ich meine (sozial eher benachteiligten) Schüler filmen lassen, ohne entsprechendes Equiptment?  Jede Woche zum Mediententrum rennen, um etwas auszuleihen kann ja nicht die Lösung sein. Und Handykameras reichen nicht für anspruchsvollere Aufnahmen.

Im Moment schrieben wir alle möglichen Stiftungen und Organisationen an, in der Hoffnung auf Förderung. Mal sehen, was draus wird.

 

2. Fehlstunden

Was tun, wenn Schüler nicht regelmäßig kommen oder den nötigen Antrieb vermissen lassen?

Ich habe mich (Im Sinne der Kohlbergschen Just-Community-schools) dafür entschieden, die Gruppe entscheiden zu lassen. Bei zwei unbegründeten Fehlstunden setzt die Gruppe sich zusammen und entscheidet, ob sie den Schüler ausschließt. Dieses Mittel hat sich bisher als „heilsam“ herausgestellt.

 

3. Disziplin

Es ist sauschwer unerwartet herausfordernd, ein gemeinsames Projekt mit 10 Schülern gleichzeitig zu stemmen – irgendwer fehlt immer. Ich habe dies zu kompensieren versucht, dass ich Kleingruppen immer einzelne Szenen in ihrer Freizeit filmen ließ. Aber eine endgültige Lösung scheint dies noch nicht zu sien.

 

4. Mehrarbeit

Die Film-AG macht sehr viel Arbeit. Arbeit, die ich eigentlich nicht hätte und für die ich keinen Ausgleich erhalte. Bis jetzt hält mich der Spaß an der Arbeit mit der motivierten Gruppe bei der Sache – aber ein fader Beigeschmack bleibt, wenn ich Freitagnachmittag als letzter Kollege die Schule verlasse…

 

Fazit

Aller Anfang ist schwer – das hat sich auch hier bewahrheitet – vor allem, wenn man sich selbst in die Materie hineinarbeiten muss.

Falls ihr auch mit dem Gedanken spielt, etwas ähnliches an eurer Schule aufzuziehen, kann ich euch jedoch ermutigen! Das, was für die Schüler dabei rauskommt, ist die Mehrarbeit wert!

 

Was denkt ihr? Wäre eine Film-AG bei euch denkbar? Oder stehst du dem eher kritisch gegenüber? Lass es mich wissen – und kommentiere! =)

 

 

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